Kapitel 12

1323 Mots
Zerah Unglaube und Wut durchfluteten mich, als er sie so für sich beanspruchte. „Du bist unglaublich“, spuckte ich aus. „Und du hast kein Recht dazu, wenn du sie gerade erst kennengelernt hast.“ „Ich habe dir bereits meine Bedingungen genannt“, sagte er und ignorierte meine Worte. „Ob auf die leichte oder die harte Tour – sie werden bei mir sein.“ „Und was ist mit ihrem Leben? Sie komplett entwurzeln, sie von ihrer Mutter wegreißen? Denkst du überhaupt daran, wenn du deine Drohungen aussprichst?“, fuhr ich ihn an. „Hör dir doch selbst zu. Du klingst nicht einmal, als würde es dich kümmern.“ „Und du schon?“, lachte er kalt und bitter. „Im Vergleich zu dir habe ich mehr als genug Reichtum, um ihnen jeden Luxus zu bieten, den sie sich wünschen. Das Beste von allem. Bei mir können sie als würdige Erben erzogen und ausgebildet werden und ein Firmenimperium erben. Sie werden weit besser aufwachsen als bei dem, was auch immer du mit ihnen gemacht hast.“ Übelkeit stieg in mir auf. Diesmal kränkte mich sein Vorwurf an meine Erziehung kaum – es war die Art, wie er von ihnen sprach. So unpersönlich. Mein Blut kochte. Wie er über meine Söhne redete – das Licht meines Lebens, das mich durch all die Jahre getragen hatte –, machte mich rasend. „Du ‚willst‘ sie, weil du Erben brauchst, um dein Familienimperium zu stützen, ohne dich darum zu scheren, was sie denken“, sagte ich. „Du hältst ‚Vermächtnis‘ für ein Schimpfwort? Es ist Überleben.“ Er konterte. „Etwas, das du offensichtlich nie verstanden hast, als du hierhergekommen bist, um meinen zukünftigen Cousin-in-Law zu verführen.“ Meinte er das ernst? „Hör zu, Ryker, es ist mir egal, was du über meine Verbindung zu Geronimo und zu meinem CHEF denkst. Ich habe nichts anderes getan als meine Arbeit, und genau das werde ich weiterhin tun. Deine Anwesenheit hier bedeutet mir nichts.“ Ich atmete tief durch. „Und noch wichtiger: Ich kann jede deiner widerlichen Unterstellungen über mich ertragen, aber ich werde nicht zulassen, dass du auch nur ein Wort über meine Familie sagst – vor allem nicht über meine Kinder.“ „Ich habe nichts Falsches gesagt“, erwiderte er, und ich konnte ein verächtliches Schnauben nicht zurückhalten. „Hörst du dir eigentlich selbst zu? Du redest von ihnen wie von Schachfiguren, nicht wie von Kindern.“ „Und was weißt du schon?“, fuhr seine Stimme scharf hoch. „Jemand wie du sieht in jedem nur eine Stufe auf der Leiter. Das waren alle Menschen für dich schon immer, oder nicht?“ Ich zuckte zusammen, bevor ich mich beherrschen konnte. Unglauben erfüllte mich, während ich ihn anstarrte. Seine vertrauten Züge – die ich vor Jahren zufällig getroffen hatte, die ich mir eingeprägt und jahrelang in Erinnerung behalten hatte – waren schärfer, reifer geworden, aber im Grunde dieselben. Und doch starrten sie mich an wie die eines Fremden. Ein Fremder. Der Mann, den ich einst gekannt hatte, war fort. Dieser Mann hier kannte mich nicht, und für ihn war ich genau das: eine Fremde. Die Wut blieb, doch daneben lag tiefe Enttäuschung und eine Erschöpfung, die bis in die Knochen ging. Warum fühlte es sich mit ihm immer an wie endlose Kreise? Warum tat es immer noch weh? Diesmal dauerte das Schweigen länger. Wir standen einfach da, er starrte mich an. Und ich sammelte die zerbrochenen Krümel dessen auf, was von meinem Inneren übrig war. Bevor ich eine Antwort formulieren konnte, hallten Schritte durch den Gang. Ich erstarrte und hielt den Atem an. Vage bemerkte ich, dass Ryker dasselbe tat. „Da bist du ja.“ Mein Magen verkrampfte sich, als Nathans Stimme erklang. Ich musste nicht hinsehen, um zu wissen, dass er im Eingang stand. Weitere Schritte näherten sich, dann tauchte er auf und kam auf uns zu. „Es tut mir so leid, dass es so lange gedauert hat“, sagte er fröhlich, ein Lächeln auf den Lippen, das sich jedoch weitete, als sein Blick auf Ryker fiel. „Oh, Ryker, du bist auch hier!“ Erleichterung durchflutete mich bei seinem Anblick. Ich trat schnell einen Schritt von Ryker weg, mein Herz raste. Hatte er etwas gehört? Wenn er noch weiter weg gewesen war, waren die Chancen gering. Es gab keinen Grund, dass Nathan etwas Verdächtiges bemerkt hatte. Oder? Zu meiner Erleichterung schien genau das der Fall zu sein. In seinem Gesicht lag weder Wut noch Unruhe. Stattdessen grinste er und klopfte Ryker auf die Schulter. „Verdammt. Ich dachte, du hättest dich schon in deinem stickigen Büro verschanzt, Ryker. Du warst vorhin ein echter Hardliner, aber es war gut. Was machst du hier? Habt ihr zwei über etwas gesprochen?“ Er schaute zwischen uns hin und her, sein Blick selig ahnungslos und voller Neugier. Mein Herz zog sich zusammen. Ich versuchte zu sprechen, brachte aber kein Wort heraus. Allein die Tatsache, dass Ryker und ich hier allein waren, war schon verdächtig genug. Was um Himmels willen sollte ich sagen? „Nichts Besonderes.“ Rykers Stimme ließ mich zusammenzucken. Ich unterdrückte den Impuls, ihn anzusehen, als er zu mir schaute. „Ich musste etwas aus meinem Auto holen, hatte es aber zu Hause vergessen. Miss Grayson und ich sind uns nur zufällig begegnet.“ „Oh.“ Nathan nickte, Mitgefühl in den Augen, bevor er seufzte. „Tut mir leid, Mann. Passiert den Besten von uns. Ich habe schon so oft beinahe alles vermasselt – ohne Zerah wäre ich verloren. Sie hatte mir all die Male den Rücken freigehalten. Bei dir ist es noch schlimmer. Du leitest zwei Firmen gleichzeitig. Du solltest dir definitiv eine persönliche Assistentin zulegen.“ Nathans Worte waren vollkommen unschuldig – doch sie ließen mir die Haut kribbeln, weil ich genau wusste, was Ryker dachte. Rykers starrer Blick bestätigte es nur. Ich presste die Zähne zusammen. Zum Glück hielt sein Blick nur eine Sekunde, bevor er sich Nathan zuwandte. „Ich werde es mir überlegen“, sagte er. Nathan entspannte sich, ließ Ryker los und drehte sich zu mir. „Komm, ich bringe dich zuerst nach Hause.“ Nathan lächelte, völlig ahnungslos, welchen Sturm er beinahe betreten hatte. Schuld bohrte sich in mich. Ich zwang ein Lächeln hervor und nickte. „Ja, Sir“, sagte ich. Ich blickte nicht zurück zu Ryker, doch ich spürte seinen brennenden Blick im Rücken. Ich konnte ihm nicht schnell genug entkommen. Als Nathan und ich zum Wagen gingen, hörte ich Rykers Schritte hinter uns verklingen. Ich versuchte, das schwere Gefühl in meiner Brust zu ignorieren, doch es war unmöglich. Als Nathan mir die Tür öffnete und ich auf den Beifahrersitz glitt, versuchte ich, tief durchzuatmen – es half nicht. … Die Fahrt zurück zu meiner Wohnung verlief schweigend. Das Brummen des Motors füllte den Raum zwischen uns. Ich lehnte mich in den Sitz und starrte auf die vorbeiziehende Landschaft. Der Kloß in meinem Hals blieb, genau wie seine Worte. Selbst wenn ich es wollte – er hatte es unmöglich gemacht, sie zu ignorieren. Seine Absichten waren unverrückbar, seine Drohungen ernst. Und wenn ich eines wusste, dann dass dieser Ryker keine leeren Drohungen machte. Die Echos meines Albtraums – Ryan und Micah, die mir gewaltsam entrissen wurden, um in seiner kalten Obhut aufzuwachsen – ließen meine Eingeweide verkrampfen. Nicht, solange ich atme, dachte ich inbrünstig. Ich würde es nicht zulassen. Aber wie lange konnte ich mutig sein? Er hatte es erst gestern erfahren, und schon eskalierte alles. Was würde passieren, wenn er weiter Druck machte? Wie lange konnte ich sie noch schützen? „Also, was war das eben da hinten?“ Nathans Stimme durchbrach die Stille, locker und leicht, und riss mich aus meinen Gedanken. Ich hatte es kaum verarbeitet, als er seufzte. „Du und Ryker schient ein ziemlich hitziges Gespräch zu führen.“
Lecture gratuite pour les nouveaux utilisateurs
Scanner pour télécharger l’application
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Écrivain
  • chap_listCatalogue
  • likeAJOUTER