Albtraum

892 Worte
Lily Ich stöhnte leise, während ich langsam in die Realität zurückkehrte. Der Boden unter mir war eiskalt und biss in meine Haut. Diese Kälte weckte mich endgültig. Mein Kopf pochte schmerzhaft, und ich schmeckte Galle im Mund. Trotzdem öffnete ich vorsichtig die Augen – und sah nur Dunkelheit. Einen Moment lang herrschte völlige Verwirrung. Ich schloss die Augen wieder, kämpfte gegen Übelkeit und Schmerz und versuchte mich zu erinnern, wie ich hierhergekommen war. Die jüngsten Erinnerungen brachen wie ein gebrochener Damm über mich herein – und mit ihnen eine eisige Erkenntnis. Angst packte mich, als mir wieder einfiel, dass ich angegriffen worden war, die Schreie, der Kampf und dann… Nichts. Eiskalte Panik durchströmte mich, als die Puzzleteile sich zusammenfügten. Ich war entführt worden, verschleppt und an diesen Ort gebracht. Panik stieg in mir auf. Ich versuchte, meine Hand zu bewegen, doch schnell merkte ich, dass beide Handgelenke fest zusammengebunden waren. Langsam gewöhnten sich meine Augen an die Dunkelheit, bis ich endlich meine Umgebung erkennen konnte. Der Raum war groß und leer. Das Echo, das überall widerhallte, verwirrte mich, bis ich bemerkte, dass die Wände metallisch glänzten. Ich befand mich in einer Art Lagerhalle. Als ich nach oben blickte, erstarrte ich – mein Magen verknotete sich vor Entsetzen. Große Ketten hingen bedrohlich von der Decke herab. Mein Körper wurde noch kälter, während ich verzweifelt versuchte, das alles zu begreifen. Was zum Teufel ging hier vor? Warum hatte man mich hierhergebracht? Wer hatte mich entführt? Ich erstarrte, als Stimmen an mein Ohr drangen. Mein Blick wanderte zur Tür; sie kamen von draußen. Obwohl ich angespannt war, lauschte ich angestrengt. „Ich versteh echt nicht, was sie so besonders macht. Sie sieht nicht mal besonders aus“, sagte eine männliche Stimme. „War trotzdem ’ne hübsche Augenweide. Vor allem, als wir sie k.o. geschlagen haben.“ Leises Kichern ertönte, während ich zitternd ausatmete. Sie redeten über mich. „Das spielt alles keine Rolle“, unterbrach eine tiefe Stimme das Lachen und brachte den Raum zum Schweigen. „Es geht darum, was der Boss will. Wir haben nur zu gehorchen.“ Boss? Welcher Boss? Wer hatte mich hierhergebracht? Eine weitere Stimme meldete sich. „Aber im Ernst – das alles für diese mickrige Menschenfrau? Wir haben Glück, dass wir das Territorium dieses Alphas übernommen haben, und das alles nur für diesen wertlosen Fleischsack!“ „Halt die Klappe, Finn“, antwortete die tiefe Stimme, voller Autorität und Überzeugung. „Es bringt nichts zu jammern. Du stellst die Befehle unseres Alphas nie infrage. Weder du noch irgendeiner dieser Menschen hat das Recht dazu. Verstanden?“ Es folgte eine angespannte Stille, und ich lauschte noch angestrengter. ‚Alpha?‘ Ich hatte diesen Begriff noch nie gehört. Nichts ergab Sinn. Und warum nannten sie Menschen „Menschen“? Was bedeutete das alles? Warum war ich hier? Mein Herz setzte einen Schlag aus, als Schritte näher kamen und lauter wurden. Sofort übernahmen meine Reflexe. Ich schloss die Augen und tat so, als würde ich schlafen, zwang mich, ruhig zu atmen. Innerlich betete ich, dass sie nicht merkten, dass ich wach war. Metallisches Knarren erfüllte die Luft, und ich spürte Licht durch meine geschlossenen Lider. Mein Herz hämmerte in meinen Ohren, doch ich blieb regungslos liegen. Die Schritte kamen näher, bis ich die Person direkt neben mir spürte. Selbst mit geschlossenen Augen fühlte ich seinen Blick auf mir. „Ich weiß, dass du wach bist.“ Ein eisiger Schauer lief mir über den Rücken. Es war die Stimme des Mannes, der mich bedroht hatte. „Mach die Augen auf. Sofort. Oder soll ich sie dir gewaltsam öffnen?“ Sein bedrohlicher Ton kannte keine Grenzen und ließ meinen Magen sich zusammenziehen. Widerwillig und voller Angst öffnete ich die Augen. Das Licht half meinem pochenden Kopf nicht, doch ich zwang mich, es zu ignorieren, und betrachtete die imposante Gestalt des Mannes. Er war ziemlich groß und kräftig gebaut, mit einem militärischen Kurzhaarschnitt. Seine muskulöse Statur war einschüchternd. Sein Gesicht war kalt und hart und versprach nichts als Schmerz. Ich schluckte schwer und versuchte, die Angst zu unterdrücken, die mich durchströmte. Trotz aller Bemühungen, ruhig zu bleiben, verriet mich mein Körper. Zittern lief durch mich hindurch, und ich fühlte mich unter seinem Blick gefangen. Er wirkte kein bisschen reumütig. Stattdessen verzogen sich seine Lippen zu einem Lächeln, als würde er Freude an meiner Angst empfinden. Er ging in die Hocke, bis er auf meiner Höhe war, und bevor ich reagieren konnte, packte seine Hand mein Gesicht. Ich blinzelte Tränen zurück, als seine Finger sich in meine Wangen gruben und meinen Kopf von einer Seite zur anderen drehten. Verzweiflung stieg in mir auf, und ich versuchte, mich loszureißen. „Spar dir das Strampeln“, sagte er gleichgültig, während ich mich gegen seine Hände wehrte – ohne Erfolg. Sein ganzer Körper fühlte sich an wie Stahl, unbeweglich. War ich wirklich so schwach? Schließlich blieb mir nichts anderes übrig, als aufzugeben und stillzuhalten. Verzweiflung machte sich in mir breit. Ich wandte den Blick von der massigen Gestalt ab und sah vage die offene Tür, wo weitere Männer standen. Sie trugen dieselbe dunkle Kleidung wie er, und mein Entsetzen wuchs, als ich sah, was sie in den Händen hielten. ‚Waffen.‘ Meine Brust zog sich zusammen. ‚Wer um alles in der Welt waren diese Leute? Was wollten sie von mir?‘
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